Ablauf und Besonderheiten der Thai-Massage

Die Thai-Massage ist eine komplexe energetische
Behandlungsmethode, die auf eine Harmonisierung des
körpereigenen Energiesystems ausgerichtet ist. Durch Anwendung
unterschiedlicher Dehnungsbewegungen und Drucktechniken werden nicht nur Energieblockaden gelöst,
sondern auch
innere bzw. entfernt liegende Organe positiv beeinflusst. Die Muskeln, Sehnen und Bänder werden gedehnt und gestärkt,
Wirbelkörper
entlastet, das Bindegewebe massiert,
der Blut- und Lymphfluss harmonisiert und aktiviert. Durch den
Wechsel von Anspannung und Entspannung und dem Zusammenwirken ruhiger
und fließender Bewegungen entsteht ein Zustand tiefster
Entspannung und Regeneration. Die Thai-Massage harmonisiert die
Körperfunktionen und verschafft seelisches und physisches
Wohlbefinden.
Kombination aus Akkupressur und Yoga
Durch ihre integrative Ausrichtung von Körper, Seele, Geist und
Natur unterscheidet sich die traditionelle Thai-Massage auch in der
Ausführung von westlichen Massagepraktiken. Werden in der bei uns
vorwiegenden schwedischen Massagen überwiegend Muskeln- und
Hautpartien gerieben und geknetet, stehen in der Thai-Massage die den
Körper durchziehe

nden Energielinien (auch als Sen, Meridiane oder
Nadis genannt) im Mittelpunkt. Auf diesen
Leitbahnen
liegen die wichtigsten Akkupressurpunkte des menschlichen
Körpers, die vom Masseur durch verschiedenste Griffarten und
Drucktechniken aktiviert werden und damit den Fluss der Lebensenergie
(Prana oder Chi) anregt.
Darüberhinaus wird der Körper durch geziehlte Dehnungs- und
Streckübungen gelockert, aktiviert und entspannt. Die
eingenommenen Positionen (Asanas) entstammen aus dem Yoga, weswegen die
traditionelle Thai-Massage auch als "passives Yoga" oder "Yoga-Massage"
bezeichnet wird. Obwohl der Körper ohne eigenes Zutun, sondern
durch den Masseur in diese Positionen gebracht wird, erfährt er
den selben physischen und emotionalen Effekt der Entspannung und
Erleichterung wie bei der selbstgesteuerten Bewegung. Die
Thai-Massage verbindet jahrtausenderlanger Erfahrung aus der indischen
Yoga-Tradition mit menschlichen Begegnung
und körperlichen Berührung.
Behandlung ohne Öl und am Boden
Die traditionelle Thai-Massage wird am Boden auf Matten
durchgeführt, so dass Masseur und Behandelter sich auf der
gleichen Ebene befinden. Zudem ermöglicht es dem Masseur, sein
Körpergewicht optimal einzusetzen und durch die
Übertragung von Druck, Kraft und Energie einen hohen
therapeutischen Nutzen zu erzielen.
Gemäß der buddhistischen Tradition, in der den Mönchen
direkter Körperkontakt untersagt ist, wird die traditionelle Form
der Thai-Massage in leichter, bequemer Kleidung und ohne Zuhilfenahme
von Massageölen durchgeführt. So kann auch während der
Ausführung der Bewegungselemente die Intimsphäre des
Behandelten jederzeit gewahrt bleiben.
Das Wesen der Thai-Massage
Neben der positiven Wirkung der Thai-Massage auf den Körper, ist die spirituelle Seite dieser Massageform
nicht zu vernachlässigen. So möchte ich hier die
Nuad Thai Akademie zitieren, welche die Philosophie sehr treffend beschreibt:
"Die Thaimassage schafft einen
besonderen Raum für Masseur und Behandelten, in dem eine echte
Begegnung stattfinden kann. Es entsteht ein
körperlich-seelischer
Dialog, getragen und unterstützt von spirituellem Bewusstsein.
Gefühle
können so besser auf körperlicher Ebene wahrgenommen,
ins Bewusstsein
gerufen und zugelassen werden. Thaimassage ist ein Weg zu mehr Ganzheit
und Wahrheit.
Das Geben von Thaimassage wird nach buddhistischer
Tradition seit jeher nicht als Arbeit betrachtet, sondern als Metta,
als Verwirklichung liebender Güte. Der Thaimasseur arbeitet
aus seinem
Herzen heraus. Sein Bewusstsein ist ganz auf den Moment gerichtet. Er
ist in jedem Augenblick achtsam mit seinen Sinnen und konzentriert auf
das, was jetzt ist und geschieht. Er öffnet sein Herz
für sich und sein
Gegenüber. Der Thaimasseur trägt tiefe Dankbarkeit in
sich für die
Existenz dieser alten Heilkunst, in dessen Tradition er steht und
nähert sich respektvoll demjenigen, der sich vertrauensvoll in
seine
Hände begibt. Er bittet darum, dass dem Behandelten Wahrheit
offenbart
werde und er durch die Massage zu Ganzheit und Gesundheit finden
möge.
Es steht also weniger die Diagnose von Krankheitszuständen
oder das
symptomorientierte Beheben von Schmerzen im Vordergrund, als vielmehr
das liebevolle Handeln in Achtsamkeit und dem Glauben an eine heilende
Weisheit in uns.
Wer sich in die Hände eines
Thaimasseurs begibt, der sei
sich bewusst, dass er in diesem Moment mit all seinen
körperlichen und
seelischen Eigenheiten angenommen wird. In der Thaimassage geht es
nicht um die Erzielung akrobatischer Höchstleistungen (auch
wenn diesen
Eindruck das ein oder andere Foto vermitteln mag), sondern um die
Bereitschaft, sich auf das Abenteuer Thaimassage einzulassen - ganz
nach dem buddhistischen Grundsatz:
Gehe mutig, aufrecht und ehrlich
durchs Leben."