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Amritsar - Dharamsala - Manali - und eine atemberaubende Fahrt über den Himalaja

Goldener Tempel von Amritsar
Jetzt liegt Rajasthan hinter uns, aber die vielen Eindrücke sind noch längst nicht aufgearbeitet. Indien ist einfach einzigartig und ein Land so voller Gegensätze: der Prunk und Reichtum der Maharadschas und auf den Straßen Armut und Schmutz. Es fällt uns nicht immer leicht, nicht zu urteilen. Sobald man als Europäer irgendwo auftritt, stürzen sich alle auf einen. Manchmal scheinen wir die Goldene Kuh, die es zu melken gilt. So haben sie uns gerade eben den Foto geklaut. Und das ausgerechnet in der heiligsten Stätte der Sikh-Religion: mitten im Goldenen Tempel von Amritsar. Von allem bisher Gesehenen war dies mit Abstand der beeindruckenste Platz, der uns beiden beim Betreten Gänsehaut verursacht hat. Aber Manchen ist eben nichts heilig. Gäbe es nicht auch tolle Bekanntschaften, könnte man glatt den Glauben an das Gute im Inder verlieren :-) Immerhin war es nur der Foto und ansonsten sind wir bislang wirklich gut durch gekommen - selbst von Magenproblemen blieben wir bisher vorschont. Was wollen wir da klagen. 

ZugfahrtDie Fahrt nach Dharamsala war mal wieder sehr erlebnisreich: Wir wählten einen "local train" und es ist unvorstellbar, wie viele Menschen in einem sowieso schon vollen Zug gestopft werden können! Und wir, mit unserem kleinen, handlichen Reisegepäck, der Taschendieberfahrung aus Amritsar, und unsäglich vielen Horrorgeschichten über die Tricks der Taschendiebe! Angespannt und argwöhnisch standen wir eingeklemmt in der Masse. Wie wir da beim nächsten Halt unser Gepäck im Auge behalten sollten, wenn wieder das totale Gedränge und Gedrücke einsetzt, war uns alles andere als klar. Auf einmal begannen die Diskussionen der Inder um uns herum und mit etlichem Geschrei landete Udos Rucksack auf der Gepäckablage. Na ja, das Drum ist so schwer, das den keiner unbemerkt mitgehen lässt. Kurze Zeit darauf ging die Diskussion erneut los und einige ältere Damen auf der Sitzbank begannen aufgeregt auf Moni zu deuten, quetschten sich noch mehr zusammen und schafften ganze 10 cm freie Sitzfläche, auf der ich es mir bequem machen sollte. So teilten wir uns nun zu acht zwei Sitzbänke (mit vier Leuten wäre sie auch schon voll gewesen), jeder bekam noch ein Kind auf den Schoß gedrückt und damit die Beinfreiheit nicht zu groß wurde, standen zwischen den Sitzbänken zu Spitzenzeiten noch vier weitere Personen plus mein großer Rucksack. Udo teilte das gleiche Schicksal auf der anderen Gangseite. Mir ist immer noch schleierhaft, wie sich bei den Zwischenstops auf Bahnhöfen in diesem Gedränge die Essensverkäufer schwer beladen mit Leckereien nahezu grazil durch die Abteile bewegte. Jedenfalls wurden wir von unsere Sitznachbarn mit leckerem Essen versorgt. Als sich der Zug etwas leerte, war wieder eifriges Gestikulieren: weiße Frau muss zu ihrem weißem Mann. Also erneutes Umplatzieren und das große Versprechen, dass meine bisherigen Nachbarn auf meinen Rucksack aufpassen würden. So angespannt die Fahrt begann, umso schöner und beeindruckter über die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft endete sie.

DharamsalaVon Dharamsala, dem Exil-Sitz des Dalai Lamas, waren wir anfangs etwas "ent-"täuscht. Der Ort ist doch sehr touristisch und wir hatten mehr tibetisches Flair erhofft. Der Monsun ist gerade vorbei und es tut gut, nach der drückenden Hitze der letzten Wochen, endlich mal wieder erholsam schlafen zu können. Und nach ein paar Tagen Ruhe und wieder mehr Bereitschaft, sich auf den Ort einzulassen, haben wir auch einige schöne Fleckchen entdeckt, die Lust auf längeres Verweilen machen. Falls die Strasse nach Leh wegen Schneefall geschlossen wird, wäre es durchaus einen Alternative, hier her zurück zu kommen.

Nach einigen Tagen ging es mit dem Bus weiter nach Manali. Dort stellte sich heraus, dass die offiziellen Busse zwar nicht mehr nach Leh fahren und auch das Zeltlager, in dem normalerweise zur Akklimatisierung übernachtet wird, bereits geschlossen ist, aber es fuhren noch einige Jeeps die Strecke an einem Stück hoch. Und so  traten wir nach zwei gemütlichen Tagen in Old Manli die 16stündige Fahrt an.
Fahrt nach Leh
Es war zwar sehr strapaziös, aber die atemberaubende Schönheit der Landschaft entschädigte alles. 475 km lang durch spektakuläre Flusstäler, grandiose Felsformationen und über kahle Plateaus. Vier Hochpässe wurden gekreuzt, zuletzt der zweithöchst befahrbare Pass Tanglang La mit sagenhaften 5300 Metern. Dort blieb uns ganz schön die Spucke und auch Luft weg! Ein paar Schritte zum obligaten Foto und genug der sportlichen Betätigung! Danach sind wir langsam ins Industal eingetaucht. Wobei 3500 Höhenmeter als Tal zu bezeichnen auch schon was hat. Unsere sorgfältig gehüteten Reisekaugummis durften wir an unsere drei mitreisenden Japanerinnen verteilen, die fürchterlich gelitten haben. Und von  Medikamenten entledigt, blieb unseren Mägen nichts anderes übrig, als schön brav still zu halten. Dafür heiterten und die drei Mädels umso mehr auf, da sie ständig und ausschließlich mit einer Rolle rosa Klopapier anzutreffen waren. Das erinnerte uns stark an Linus von den Peanuts.