
Die
ersten zwei Wochen hat es uns nach Norden gezogen. Angesichts des
vielen Regens (angeblich der schlechteste
Sommer seit 15 Jahren) waren wir froh, nicht auf dem
Pferderücken
unterwegs zu sein und wir nahmen dankbar das schützende
Blechdach
unseres Autos an. Außerdem konnten wir ausgiebig an unsere
Fertigkeit
in Aufbau- und Abspanntechniken des neuen Zeltes bei widrigsten
Witterungsbedingungen feilen, ohne dabei auch noch Pferde
besänftigen zu dürfen, die lieber voll Panik vor den
im
Wind flatternden
Zeltplanen reisaus nehmen wollen - das sollte erst später
kommen.

In
Russell wurden wir pünktlich zu Weihnachtszeit mit
Sonnenschein
begrüßt und gleich
schoss das Thermometer auf angenehme 30 Grad. Es ist
schon verrückt, am
Weihnachtstag in Sommerklamotten und inmitten einer
Blütenpracht zu sitzen, frische
Erdbeeren zu essen und Jingle Bells zu singen. Alles etwas
anders hier. Auch die Einstellung zu Weihnachten: es wird gefeiert,
mit Familie und Freunden. Und so nahmen wir nach anfänglichen
Hemmungen doch die Einladung von Jacqui an, Heilig Abend bei
ihr zu verbringen. Der Kontakt zur ihr kam durch die zahlreichen
Recherchen über die Durchführbarkeit des Wanderritts
zustande. Sie hat selbst vor etlichen Jahren beide Inseln durchritten
und konnte uns mit vielen Tipps, einer Menge an
topographischen
Karten und ihrem unglaublichen Enthusiasmus sehr viel weiter helfen.
DANKE Jacqui!

Nach
der Bilderbuchlandschaft der Bay of Islands zog es uns in die
Waldreservate zu den legendären Baumriesen, den
Kauri-Bäumen.
Es ist kaum zu glauben, dass innerhalb von 150 Jahren 99 % des
Baumbestandes gefällt wurde! Bis zu 2000 Jahre alte
Bäume mit
über 50 m Höhe und einem Stammumfang von mehr als 20
m waren
keine Seltenheiten in den Regenwäldern nördlich von
Auckland.
Glücklicherweise ist dem Kahlschlag inzwischen ein Ende
gesetzt
und es ist nur noch Maoris erlaubt, vereinzelt Kauris zum Erhalt ihres
traditionellen Handwerks zu fällen. Wir könnten uns
der Magie
von urwüchsigen Riesen wie
Tane Mahuta
kaum entziehen.

Wir sind inzwischen
seit ein paar Tagen in
Rotorua und heiße Quellen
und Geysire lassen es aus allen Löchern dampfen und brodeln.
Nur der
Geruch ist nicht immer ganz so angenehm. Trotz absoluter Hochsaison
haben wir einen hübschen und günstigen Campingplatz
etwas außerhalb
gefunden, aber mit direktem Zugang zum Lake Rotorua und toller
Aussicht. Gestern haben wir uns endlich an die Hauptattraktionen hier
gewagt und
die Geysire sind schon wirklich sehr beeindruckend. Unter
anderem
waren wir in aktuellen Maori Dorf und obwohl
sich die Maoris sonst sehr abschotten, hatten wir
hier nicht das Gefühl, unwillkommen zu
sein.
Klar sind die ganzen Shows, Tänze und Gesang auf Tourismus
gemünzt,
aber trotzdem hat es einen guten Einblick gegeben. Ihren polinesischen
Einschlag können die Maoris kaum verleugnen, weder im
Aussehen,
noch in der Art der Tänze. Und wenn die Jungs uns mit ihrem
Kriegstanz
begrüßt hätten, wäre unsererseits
ganz
schnell Rückzug angesagt gewesen.
Hier erreichen uns auch die schrecklichen Bilder über die
Tsunami
im indischen Ozean. Wir sind sehr schockiert, die Bilder der
Zerstörung von Plätze zu sehen, an denen wir uns noch
vor
kurzen so wohl gefühlt haben. Und wie mag es wohl den Menschen
dort gehen??? Wir fühlen uns schrecklich hilflos! Uns bleibt
nur
unser Mitgefühl für alle Betroffenen und eine
unsagbare
Dankbarkeit, dass unsere ursprünglichen Reisepläne
nicht
zustande kommen wollten - denn sonst wäre wir jetzt gerade in
Thailand und nicht in Neuseeland.
Nach

schwer verregneten
Silvestertagen in Ohakune am Rand des Tongariro
National Parks machten wir uns auf zur Ostküste nach Napier,
der
sonnenscheinreichsten Gegend Nordneuseelands. Und wir wurden nicht
enttäuscht - endlich mal wieder blauer Himmel und ein
trockenes
Zelt! Also voller Energie auf zum Cape Kidnappers, um die
Australtölpel-Kolonie zu besuchen. Wie, da kann man nur bei
Ebbe
hinmarschieren - wir versuchen es trotzdem und so wurde aus einem
ornithologischen Erlebnis eine ordentliche Kraxeltour entlang der
Steilklippen. Als wir nach zwei Stunden unweit der Stelle angelangten,
an der wir den Strand verlassen hatten, stapften etliche munterer
Touris an uns in Richtung der
Vogelstätten vorbei - inzwischen war ja auch Ebbe! Wir
schauten
ihnen nur müde nach und schleppten uns zurück zum
Auto.

Unsere Zeit auf der Nordinsel neigt sich langsam aber sicher dem Ende
zu. Aber nicht, ohne dass wir uns noch auf die Spurensuche von Peter
Jackson und "Herr der Ringe" machten. Unweit von Wellington
ließen wir
uns am Drehort von Rivendell von dem Elfen-Wald verzaubern. Arwen
trafen wir leider nicht an, dafür aber einen magischen Ort mit
zauberhafter Vegetation und Atmosphäre. Ansonsten hielt
Wellington für uns ganz besonders viel Regen bereit - aber
unser
Campingplatzinhaber hatte Mitleid mit uns: Abends um 11 Uhr schallte es
vor unserem Zelt: Are you dry in there? Meine Frau heizt Euch gerade
ein Zimmer ein! Naja, da ließen wir uns nicht zweimal bitten!
Und noch
nicht einmal bezahlen durften wir dafür: In solchen Tagen muss
man
doch zusammenhalten - war der Kommentar! Ja, so sind
Neuseeländer!
Nach etlichen Stunden im wirklich hervorragenden Nationalmuseum Te Papa
gaben wir unseren Mietwagen ab und traten die Überfahrt
über
die Cook Street nach Picton an. Sündinsel - wir kommen!
Ob sich nun auf der Südinsel unsere Pferdepläne
verwirklichen lassen? Wir sind mittlerweile schon etwas
ernüchtert, was die Durchführbarkeit des Wanderritts
betrifft. Die Preise für Pferde sind zwar für
deutsche Verhältnisse ein absoluter Traum, aber die
Routenplanung bereitet uns Kopfzerbrechen: die einzigen staatlichen
Gebiete sind die Nationalparks und die dürfen wir mit den
Pferden nicht durchreiten, auch wenn die Leute des DOC (Department of
Conservation) selbst zu dieser Vorschrift den Kopf schütteln
mussten. Und alles weitere Land ist Privatbesitz und bedarf
somit die Einwilligung des Eigentümers. Für ein paar
einzelne Farmen hätten wir durchaus schon Einladungen
vorliegen, aber zuerst müssen wir unsere Pferde finden, denn
erst dann wissen wir, von wo wir losreiten und in welche Region es uns
führen wird. Also erstmal weitere Kontakte zu den hiesigen
Pferde-Leuten zu knüpfen. Und was würde sich da nicht
besser eignen, als auf einer Pferdefarm zu Wwoofen? Ja - so kamen wir
an
die Golden Bay zu Magic Mountain.