Haridwar und seine Bewohner

Haridwar

Gott ist in allem, sagen die überzeugten Hindus, auch in der Kreature. 

Der Hinduismus räumt der Kuh eine Sonderstellung ein. In den alten Schriften wird sie als "Erfüllerin aller Wünsche" (Kamadhenu) gepriesen. Dies Religion verlangte auch von den Menschen einem Brahmanen eine Kuh zu schenken (Godan), damit dieser sie anbeten und dadurch die Götter wohlwollend stimmen konnte. Bei einer Beerdigung der Hindus ist das Geschenk einer Kuh unabdingbar, um die Erfüllung der Rituale zu garantieren.

In der Mythologie hat die Kuh ihre Heiligkeit dem Gott Krishna zu verdanken. Nach seiner Geburt wurde Krishna zum Schutz vor einer drohenden Ermordung in die Obhut einer Hirtenfamilie gegeben und verbrachte als Hirtenjunge viel Zeit mit den Tieren. Mit der Hirtenfamilie, den Milchmädchen (Gopis) und den Kühen wuchs er auf und wurde von ihnen ernährt. Dadurch erreichte die Kuh den Status einer Mutter, die es zu verehren gilt.
Niemand darf sie behindern, sie wird verehrt, ohne angebetet zu werden, sie gilt als heilig und darf nicht geschlachtet werden. Wer einer Kuh das Leben nimmt, hat nach hinduistischem Glauben einen Mord begangen. Die Kuh zu ehren und zu achten, bis zum letzten Tag zu pflegen und Altersheime einzurichten, gilt als verdienstvoll für das nächste Leben.

Die Kuh gilt zu Recht als Lebenspenderin und als Symbole der Sanftheit. Sie gibt den Menschen fünf heilige Gaben: 

  1. Ghee: Das ist ein Butterschmalz, das nicht nur zur Zubereitung der Speisen dient, sondern auch eine religiöse Bedeutung bei sakralen Zeremonien hat. So werden z .B. Tote zur Verbrennung mit Ghee übergossen oder die Lampen in den unzähligen indischen Tempeln brennen mit Ghee.
  2. Mist, der für die Landbevölkerung als Brennmaterial dient. Mist kann auch als Bindemittel zwischen Lehm und Stroh zum Hausbau dienen. Mit dem Mist werden ebenfalls die Felder gedüngt, er wird als Mörtel bei den Lehmhütten verwendet, um Insekten abzuwehren. Die Nutzung des Dungs zur Gewinnung von Biogas steckt in den Anfängen.
  3. Urin: Er hat antiseptische und heilende Wirkung, soll auch gut gegen Zahnschmerzen und Karies sein. Zudem hat der Urin in Indien sakrale Bedeutung: z.B. jeder zum Hinduismus Bekehrte wird mit Urin bespritzt.
  4. Milch: Das populärste Getränk Indiens ist der berühmte Chai, Tee mit Milch oder Milch-Tee, an jeder Straßenecke, auf kleinen Kochern zubereitet, erhältlich. Dieses Getränk verbindet die Inder aller Kasten miteinander, da jedermann es trinkt.
  5. Lasshi, ein Joghurt-Getränk, das in der vegetarischen Tradition Indiens eine überaus große Rolle spielt. Besonders zu empfehlen: Mango-Lasshi


Cows in the middle of road: Die Kuh gehört heute zum täglichen Straßenbild Indiens. Die Touristen wundern sich, daß die Tiere inmitten des lärmenden Straßenverkehrs unbehelligt herumstehen, -laufen und, -liegen können, ja, daß sie sozusagen den Verkehr durch ihr Dasein geradezu regeln. Sie haben im Verkehr immer Vorfahrt. Wer ein Tier anfährt, muß mit Bestrafung rechnen. Trotzdem muß man sich fragen : Sind diese Tiere denn wirklich herrenlos? Die Antwort lautet: Nein! Sie alle haben einen Besitzer, aber oft sind dies Stadtbewohner, die sich für ihre Tiere kaum noch Futter leisten können. So fressen die Tiere was sie finden, meist die Abfälle der Straße und Basare. Und davon gibt es in Indien mehr als genug. Dass viele indische Kühe allerdings "trocken" sind und keine Milch mehr geben, verwundert kaum.